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„Was du so alles mit dir rumschleppst ...“ Shuma war sichtlich belustigt und Nephele zart weinrot angelaufen. „Ich meine, auf eine Wanderung quer durch die Hölle, also da ist das schon etwas ungewöhnlich.“ Eine Furie, welche bis auf eine Schärpe auf der „Ironie“ stand unbekleidet war tanzte laziv vorbei und kicherte vor sich hin. „Einen Teddy hätte ich ja noch verstanden, na ja so ein bisschen jedenfalls, aber, Nephi, Actionfiguren?“

„BrummelbrummelSammlerstückeinTaschevergessen.“ Sehr verlegen zupfte sie die zweite Figur hervor und überhörte geflissentlich den erstickten Lachanfall von Shuma – Seth war weniger diskret, der wusste aber auch, das er in seiner Geistform relativ sicher war. Selbst Nuala, die inzwischen schon wieder recht pelzig war entgleisten etwas die Gesichtszüge.

„Sternenfunkelprinzessinnen Barbie?“ Da taten sich ja einige Abgründe auf, kein Wunder das Nephele mit dem Glücksbärchieland einigermaßen gut zurande gekommen war. Die war schon infiziert!

„Ich nehm den Umhang von ...“ Seth kniff etwas die Augen zusammen, las die winzig kleine Produktbeschreibung und wappnete sich innerlich. „Actionfigur Frodo mit Original Elbenumhang? Ähm echt original?“

„Tröpfel noch etwas mehr Tabasco in meine Wunden.“ Mit sehr viel mehr Geschick, als ein reiner Sammler beim umziehen der Figuren an den Tag legte, zog sie das Mäntelchen aus und reichte ihn den Kobolden. Die hatten sich bereits über Sternenfunkel-Barbie hergemacht (welche komischerweise nie wieder auftauchte, Nephele vermutete nicht ganz zu Unrecht das die Kobolde Verwendung für fanden. Welche, darüber weigerte sie sich standhaft nachzudenken) und zauberten an dem Mantel rum.

Auch wenn sich jeder Elb mit etwas Stolz mit Entsetzten von dem Mantel distanziert hätten, er war schlicht geschnitten, dunkelgrün und verdeckte den größten Teil von Shuma. Er sah unauffällig aus, was man von Nephele nicht behaupten konnte.

„Das zieh ich nicht an!“ erklärte sie, „Das quiescht!“

„Quark,“ erwiderte Szrillp, „Pannesamt kann nicht quietschen.“

„Der Pannesamt nicht, aber die Farbe!“

„Blau kann quietschen?“ Zweifelnd sah Szrillp auf den Mantel und musste zugeben: Ein wenig quietschte es im Hirn wenn man hinsah. „Jedenfalls wird man dich in dem Mantel bestimmt für einen Dämonen halten.“

„Nur ein Dämon kann so kaltblütig sein sowas echt zu tragen?“ Zweifelnd nahm sie den Mantel in die Hand. „Macht irgendwie Sinn.“ Und trotz des heftigen Gekichers um sie herum zog sie das Pannesamtwunder in Quietschblau über und ließ ihren Zauberstab anwachsen, bis er so hoch wie sie selbst war. So ausstaffiert sah sie aus wie eine böse Fee auf Geschäftsbesuch in der Hölle. Von der Sorte liefen ihnen prompt einige über den Weg, so das trotz fieser Farbgebung in der tat Nepheles Tarnung am wenigsten auffiel.

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Und wie kommen wir jetzt unbemerkt durch die Stadt? Ich glaube nicht, dass sie uns einfach unbehelligt hier durchlatschen lassen.“ Nuala betrachtete die sich immer noch windenden und zuckenden Schlangenkörper.

„Wie wärs mit tarnen, täuschen und sich dann still und heimlich verpissen?“ Knurrte Nephele die aussah, als ob sie der nächsten weiblichen Höllenkreatur, die es wagen sollte Shuma anzurühren oder gar auf die Idee kommen mit ihm „spielen“ zu wollen, mal zeigen würde was das Wort Hölle bedeuten konnte.

„Tarnen, keine schlechte Idee, und wie? Uns Plastikhörner aufsetzen und einen künstlichen Teufelsschwanz anhängen erscheint mir irgendwie wenig erfolgsversprechend.“ Nuala hatte, als sie mit Shuma und Illidan in Zanarkand gewesen war, eine Verkleidung für Nichtmagier gesehen die ihr gerade in den Sinn kam.

„Also bei uns Gnomen funktioniert das immer wunderbar.“ Piepste es da von ihrer Schulter. Szrillp, Simmwibb und Jirlazüp hatten sich tatsächlich Hörner und Schwänze aufgesetzt. Sie sahen damit aus wie viel zu klein geratene Teufel.

„Ihr habt jetzt alle einen Schulterteufel.“ Grinste Simmwibb breit und flitzte hinüber zu Shuma um sich bei ihm, den Flammenwerfer in der Hand, auf die Schulter zu setzen. Die Waffen der Gnome hatten sich verändert, sie sahen jetzt aus wie ein Dreizack an denen sich ein Technikfreak ausgetobt hatte.

„Du dürftest in deiner Werwolfsgestalt wenig Aufsehen erregen Nuala. Du gehst durchaus als pelziger Dämon durch.“ Erklärte Seth und obwohl er sie nur als Geist begleitete deutete ein Funkeln in seinen Augen darauf hin, dass er die Gnome sehr genau im Auge behielt.

„Dann bleibt ja nur noch ihr Beide.“ Jirlazüp, in knallenges schwarzes Leder gekleidet, hatte es sich nicht nehmen lassen, die dazu passenden Stiefel mit mörderisch hohen Absätzen anzuziehen und sich eine Peitsche an den Gürtel zu hängen. Nuala fragte sich, wie sie es schaffte auf Nepheles Schulter nicht den Halt zu verlieren, vor allem, als die Gnomin jetzt das eine Bein anwinkelte und die Fäuste in die Hüften stemmte.

„Wie wärs denn mit Kapuzenumhängen? Wir wissen ja aus jedem guten Fantasyfilm das ein Umhang mit Kaputze die optimale Tarnung darstellt.“

„Also einen Umhang hätte ich wohl. Dann noch einen Vergrößerungszauber und dann passt das.“ Ertönte Jirlazüps piepsige Stimme von Nepheles Schulter aus.

„Und ich hätte da eventuell auch was.“ Nephele begann in ihrem Rucksack zu kramen und zog schließlich ein kleines dunkelgrünes Stoffstück hervor.

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Shuma nahm sich einen Moment Zeit um mit den Augen zu rollen, bevor er sich wieder dem Geschehen widmete. Zwei Gnome hielten mit Flammenwerfern die Teufel auf Abstand während der dritte Gnom mit einem fest in den Bettrahmen montierten Harpunengeschütz den Weg vor ihnen freimachte. Und so sauste das Bett mit kräftigen Flügelschlägen über den dunklen Fluß auf das andere Ufer zu. Unzählige Teufel flogen aus allen Richtungen auf das Gefährt zu, aber die Gnome schienen die Lage unter Kontrolle zu haben.

"Teufel können nicht sterben." rief Shuma "Wenn ihre Körper zerstört werden wachsen sie nach. Also nicht zurückhalten." er sagte es allerdings mehr pro Forma, die erstaunlich angriffslustigen Gnome schienen sich nicht daran zu stören ob das was sie anrichteten nachwuchs oder nicht.

Kurzentschlossen löste Shuma seinen Gurt, hüpfte über den Rand des Bettgestells und ließ sich in die Tiefe fallen. Von einem kleinen Schwarm Teufel verfolgt fiel Shuma auf das dunkle Gewässer zu bis er etwa fünf Meter über der Oberfläche die Magie seines Amulettes weckte und losflog. Immer mehr Teufel wurden auf ihn aufmerksam und hörten auf das Bett zu attackieren um ihn zu verfolgen, doch Shuma war um die Hälfte schneller als alles was hier flog. 

Die Teufel blieben hinter ihm zurück, dafür tauchten andere in seiner Flugbahn vor ihm auf und nahmen ihn mit Feuerbällen unter Beschuss. Der Junge flog immer tiefer und huschte in einem Zickzackkurs zwischen den hohen Wellen des Styx weiter auf den großen Dämonen zu, der KO auf dem Styx dümpelte und auf dem Nephele hockte. Aus den kräuselnden Kronen der Wellen schoben sich zornige Seelen heraus und griffen nach ihm, aber immerhin konnten die Teufel ihn so nicht erreichen, denn auch sie wären durch die im Wasser gefangenen Toten in Gefahr gewesen.

Shuma erreichte Nephele, schnappte sie und den Feenzauberstab und flog sofort weiter, wieder auf das fliegende Bett zu, wo er erschöpft landete. Sie hatten die Reihen der Teufel tatsächlich durchbrochen und hinter sich gelassen.

"Netter Stunt, Topgun." schnaufte Shuma in Nepheles Richtung. "Übrigens teilt man seine Kräfte nicht auf wenn man in Unterzahl ist. Hast du nie Horrorfilme gesehen?"

Shuma hätte gerne noch weiter gemosert, doch unter ihnen geriet plötzlich der Fluß in Aufruhr. Hunderte wütender Seelen brüllten auf als Phylegias sich aus dem Wasser schob und mit einem gewaltigen Arm nach dem Bett schlug. Es wurde getroffen und unkontrolliert fortgeschleudert. Panisch klammerten die Magier und die Gnome sich an den Resten des halb zertrümmerten Gefährtes fest.

"Und, befinden sich für den Fall einer Notwasserung Schwimmwesten unter den Sitzen?" merkte Seth trocken an während er, als Geist vom Trudeln unbeeindruckt, in der Mitte des Bettes stand.

Am Steuer mühte Simwipp sich ab die Reste des Bettes zu einer Notlandung zu bringen. Der Schlag von Phylegias war enorm kräftig gewesen, kein Wunder bei seiner Größe, so dass sie auf das felsige Ufer zuflogen.

Als noch etwa zehn Meter zwischen dem abstürzenden Bett und dem Boden lagen schnallte Shuma sich den Haltegurt wieder an, brüllte "Festhalten!" und sprang hoch. Mit aller Kraft die er noch aufbringen konnte flog er in die entgegengesetzte Richtung und bremste den Sturz so ab. Das Bett schmetterte dennoch laut krachend auf den Boden und schlitterte über den schwarzen Felsboden. Entkräftet landete Shuma neben dem Bett als es schließlich stillstand.

"Au Backe, das Ding hat es hinter sich." meinte er als er die Schäden am Gestell begutachtete. Tatsächlich erinnerte es nun weniger an ein Bett, vielmehr an einen Haufen Sperrmüll.

Hinter ihnen, vom Fluß aus, hörten sie etwas das ein wenig nach Nebelhorn klang. Phylegias wuchtete seine Gestalt auf sie zu, während seine teuflischen Diener wie ein Heuschreckenschwarm auf sie zuflogen.

"Lasst es hier und kommt Sterbliche." sagte Seth während sie vom Bett stiegen. Er schwebte ihnen vorran in einen Tunnel im Felsboden, der nach unten führte und schließlich in ein Labyrinth aus engen Schluchten mündete. "Hier finden sie uns nicht." sagte er dann und schwebte den drei zerschrammten Zauberschülern gemächlich voran die Schluchten entlang. Ab und an huschten weit über ihnen Teufel vorbei, sahen sie am Grund der finsteren Schluchten allerdings nicht.

 

Nach einem langen Marsch verließen sie die Schluchten und standen auf einer kleinen Anhöhe am Rand eines weiten Feldes. Überall auf dem Feld sahen sie flackernde Lichter, die aus dieser Entfernung winzig schienen. Und jenseits des Feldes ragte bedrohlich der dunkle Umriss einer gewaltigen Stadt auf.

Um sich von den Strapazen zu erholen legten sie auf der Anhöhe eine Rast ein und verpflegten sich mit dem was die Gnome ihnen anbieten konnten. Während sie aßen erklärte Seth ihnen wo sie sich befanden.

"Wir sind nun im sechsten Kreis: Ketzerei. Hier schickt Minos die Seelen hin die hart an der Grenze zu echter Bosheit sind: Gehässige, die anderen das Leben schwer machen. Schadenfreudige, die sich am Leid anderer erfreuen. Sadisten, notorische Lügner, selbsternannte Empathen die sich nicht um andere scheren, Hochmütige die sich für besser halten als sie sind..." zählte Seth auf.

Bei "Hochmütige" horchte Shuma auf und tauschte einen stummen Blick mit den zwei Mädchen aus. Sie hatten gewisse Vorstellungen davon wen nach seinem Tod dieser Kreis erwarten würde.

"...Und zu guter Letzt die Gleichgültigen. Leute die wegsehen wenn ein Verbrechen geschieht, nicht aus Angst sondern aus purem Desinteresse und mangelndem Mitleid. Leute die etwas tun könnten, sich aber bewusst dagegen entscheiden. Dieser Kreis ist groß geworden im Lauf der Jahrhunderte." Seth sah die drei an "Wir sollten weiter, der Weg ist noch weit."

Sie packten ihre Sachen zusammen und marschierten dem Geist hinterher über die Ebene. Als sie näher an die Lichter herankamen erkannten sie das es sich dabei um Gräber handelte. Unzählige brennende Gräber standen über die Ebene verteilt und in jedem davon sahen sie eine sich windende Gestalt in den Flammen.

"Die Toten fühlen keinen Schmerz. Ist wohl trotzdem nicht besonders angenehm mitten im Feuer zu hocken." sagte Seth ungerührt.

Sie näherten sich der großen Stadt die vor ihnen lag, der Stadt Dis wie Seth ihnen sagte. Der Stadt der Teufel.

"Dis ist durchaus mit Pandämonium vergleichbar, sieht man davon ab das in Pandämonium Dämonen leben und hier eben Teufel. Erstaunlich zivilisiert, nur eben auf die höllische Art und Weise."

Vom großen Stadttor aus schlängelten sich zwei Gorgonen auf die Gruppe zu, deren Schlangenhaare bedrohlich zischten und die die Menschen gierig anstarrten.

"Ich glaub ich verstehe was du meinst." sagte Shuma "Augen schließen!" sagte er dann zu den Mädchen und den Gnomen und machte auch selbst die Augen zu. Dann trat er den Gorgonen entgegen. "Hallo Mädels." sagte er zu den Frauenoberkörpern die über ihn auf den großen Schlangenleibern ragten.

"Ssssieh unssss an wenn du mit unssss sprichsssst." sagte eine der beiden. "Ihr könnt nicht passssieren." sagte die andere. Dann umschlängelten sie Shuma mit ihren massigen Leibern um etwas mit ihm zu spielen bevor sie ihn töteten. Was ihr Fehler war.

Shuma hatte die Augen fest zugekniffen, denn er wusste was der Blick einer Gorgone mit ihm angestellt hätte. Er hatte aber auf das Geräusch der Schlangenhaare gelauscht und in seinen Händen, die er hinter dem Rücken versteckt hatte, zwei Blitzschläge vorbereitet. Mit je einem Blitz zielte er auf die zischenden Köpfe der Gorgonen. Die Blitze durchschlugen die beiden Köpfe der Gorgonen und die massigen Schlangenleiber zuckten und wanden sich auf der Ebene vor dem Tor von Dis.

Shuma öffnete die Augen wieder "Höllenzivilisation." murmelte er "Ich kann dir den Kopf wegballern, also bin ich im Recht."

"Fast wie zuhause, in der Welt der Menschen, nicht wahr?" fügte Seth süffisant hinzu während er durch das Tor schwebte.

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In Nepheles Hand erschien der Feenzauberstab, welcher auf die Größe eines Flugbesens wuchs. Im Gegensatz zu den anderen beiden hatte sie sich mit der Besenfliegerei anfreunden können und sogar ein gewisses Geschick entwickelt. „Haltet mir ein Kissen frei,“ sagte sie zu Nuala und Shuma, „Ich hab wirklich keine Ahnung wie lang das Ding hier in der Luft bleibt.“

„Warum willst du es denn erst riskieren?!“ Die Vorstellung das seine Freundin auf einem größenwahnsinnigen Zauberstab durch die Gegend gurkte missfiel Shuma (was allerdings auch mit seinen Besenflugerfahrungen zu tun hatte. Alleine bei dem Gedanken tat ihm der Hinter weh. Unter anderen der Hintern)

„Weil wir dann zwei Ziele abgeben,“ meinte sie und setzte sich im Damensitz auf den Zauberstab, der sofort in die Höhe schoß. Dank einer Beinwickeltechnik, die orthopädische Spätfolgen nahezu herausforderte, war der Stab fest zwischen ihren Beinen eingeklemmt, so das sie die Hände für die Voodoomatics frei hatte. Sie zischelte noch rasch den Zielerfassungszauber, ehe sie sich im halsbrecherischen Tempo auf die Teufel zubewegte, welche zunächst recht entspannt auf die scheinbar leichte Beute blickte, welche ja nicht einmal Krallen und Reißzähne besaß. Nachdem die ersten beiden Teufelsköpfe wie reife Wassermelonen zerplatzten, als die Voodoomaticgeschoße sie trafen, war es mit dem breiten Grinsen jedoch vorbei. Fauchend und brüllend jagten sie Nephele hinterher, welche den Zauberstab rasch höher steigen ließ, so schnell das die Teufel vor Anstrengung anfingen zu dampfen beim nach setzen. Trotzdem gelang es den schnellsten unter ihnen ihre Krallen nach ihr auszustrecken und zerfetzte mit einem Hieb den Stoff ihrer Jeans und hinterließ in ihrer Wade zwei blutige Striemen.

Mit einem wütenden, fast kreischenden Schrei wirbelte sie den Stab um seine Achse und feuerte aus beiden Waffen auf den Teufel, der als schleimiger Regen auf den Styx niederging. Seine Gefährten jedoch waren vorsichtiger, nun da sie die verheerende Wirkung der Voodoomatics erlebt hatten und umflatterten in chaotischen Bahnen Nephele, der langsam die Munition ausging. „Alles was kräftiger als ne Tüte Mehl ist,“ hatte ihr der Waffenmeister gesagt, „Notfalls kannst du die beiden mit ner Tüte alter Kekse nachladen.“ Dummerweise hatte sie jedoch nicht einmal eine Tüte alter Kekse zur Hand und in der Luft war harte Materie eher Mangelware.

Einer der Teufel hatte es geschafft sich hinter ihr ranzuschliechen und griff nach ihrem Genick, erwischte jedoch nur eine Strähne der langen braunen Haare und etwas von ihrem Kragen, ehe sie sich unter dem Griff wegwandte und im Sturzflug auf den Fluss zusteuerte. Für einen Augenblick sah es aus, als habe sie die Kontrolle verloren, doch dann, wenige Meter über dem Fluss riß sie den Stab halbhoch und rauschte mit voller Gewalt in einen der verblüfften Teufel rein. Noch ehe er ausweichen konnte zerschmetterte der Griff der Voodoomatic sein weit aufgerissenes Gebiss und noch während er jaulend nach seiner blutigen Schnauze griff, hörte er ein scharfes, kleines klicken und starrte in die Mündung der Pistole.

Der geladenen Pistole.

Dann jagten ihn seine eigenen, zweckentfremdeten Zähne nachhaltig zum Teufel.


Ein Schwall von dem kochenden Teufelsblut ergoss sich über Nephele, die sich schnaufend schüttelte. Die zähflüssige, stinkende Flüssigkeit tropfte ihre über die Stirn, lief in ihre Augen wo sie wie Tabasco brannte. Sie konnte kaum noch klar sehen und ihr wurde klar, das sie das Blut loswerden musste. Unten im Fluß brodelte die Oberfläche von den greifenden Händen der Wüteriche, zudem bezweifelte sie stark das dieses Wasser ihr helfen konnte. Nur knapp wich sie im wilden Zickzackflug den anderen Teufeln aus, die ihr den Blick auf das fliegende Bett und ihre Freunde versperrten, als sie sich genau vor ihr ein gigantischer Dämon manifestierte. Ohne abbremsen zu können rammte der Zauberstab die breite, rauchende Brust, wobei einem irrwitzigen zufall sei Dank sie genau den dämonischen Solar Plexus traf und der Gigant gefällt zu Boden ging – mit dem Zauberstab und Nephele dran in dem Brustkorb steckend. „Ach verdammter Mist!“ fluchte sie und wie sooft wenn Nepheles Wut hochkochte machte sich ein Teil ihrer Magie selbstständig …


„Toll,“ schnupfte Seth in einer gewissen Entfernung, „Regen in der Hölle. Und wahrscheinlich hat niemand wetterfeste Kleidung dabei.“

„Für den kleinen Schauer?“ Würdevoll schüttelte sich Nuala das frische Wasser aus den Kleidern, „Seth, sei nicht so ein entsetzliches Weichei.“

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„Das war hoffentlich nur eine rhetorische Frage.“ Simwibb sah aus, als ob ihn Shumas Frage beleidigt hätte. Jirlazüp stimmte einen wüsten Gesang an. „Blut, Blut, gleich fließt hier das Blut...“ gröhlte sie während die drei Gnome in der Back-Tasche verschwanden.

„Wollen wir nur hoffen, das es nicht unser Blut ist was hier gleich fließt.“ Nervös sah Nuala zu den Teufeln auf. Es war etwas anderes plötzlich angegriffen zu werden und sich zu verteidigen als wenn man seine Gegner schon früher sah und sich darüber im klaren wurde, dass es gleich zu einem Kampf kommen würde.

Vor allem war sie sich nicht sicher, in welcher Form sie angreifen sollte. Mit Magie? Dann sollte sie in ihrer menschlichen Gestalt bleiben, aber sie war nicht wirklich gut in Angriffszaubern. Wenn Magie, dann würde sie sich eher auf ihre Schutzzauber verlassen. In Werwolfsform war sie zu schwer für das fliegende Bett, das schied also aus. Und als Wolf war sie gar keine Hilfe, sie war schließlich kein fliegender Wolf. Dann also mit Magie.

Szrillp erschien und rief zu ihr hoch: „Hey wir sind soweit. Leg mal die Tasche auf den Boden, dann wirds einfacher.“

Nuala tat wie geheißen und die Gnome schoben das winzige Bett aus der Tasche. Als es ganz draußen war winkten sie die Magier zur Seite und Szrillp zog etwas von dem Bett ab. Augenblicklich wuchs es zur Größe eines Dopelbettes an. Verblüfft sahen die Höllenreisenden, das die Außenseiten des Bettes dicht an dicht mit Spiegeln bedeckt waren. Wenn sie auf der Matratze saßen waren sie halb von den Spiegeln bedeckt.

„Sie halten nicht alle Zauber ab, sollten aber einen gewissen Schutz bieten.“ erklärte Simwibb und klopfte leicht gegen einen der Spiegel.

„Alle Mann an Bord!“ krähte Jirlazüp, die schon auf das Bett gehuscht war und auf einer der vier Ecken stand. Den Flammenwerfer hielt sie angriffslustig zwischen den Händen. „Zeigen wir diesen Teufeln, das sie uns nicht aufhalten können!“

Die Magier kletterten auf das Bett und stellten fest, dass sie nicht wie erwartet auf einer Matratze landeten sondern auf festen Holzbohlen. „Für den sicheren Stand beim Kämpfen.“ Erklärte Szrillp. „Das erschien uns wichtiger als eine bequeme Unterlage zum sitzen.“

„Ihr solltet euch mit den Seilen sichern, falls ihr bei heftigen Ausweichbewegungen den Halt verliert.“ Simwibb deutete auf die langen Seile die auf dem Boden lagen. An einem Ende waren sie fest mit dem Bett verknotet, am anderen Ende waren Klettergurte befestigt. Nuala zog sich den Klettergurt an. Dann vergewisserte sie sich, dass ihre Waffen griffbereit waren. Der Zauberstab, die Voodoomatic und das Beil was sie am Gürtel trug.

Szrillp sah von einem Magier zum anderen. „Braucht ihr noch was an Waffen, Munition oder so?“

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Die Gruppe blieb nicht unbemerkt als sie den vierten Kreis verließ. Auf einer Plattform an der gewaltigen goldenen Fabrikanlage sah Plutos, der Herr der Gier, ihnen aus goldenen Augen nach. Neben ihm erschien aus dem Nichts eine dunkle Gestalt. "Du hast mich gerufen Plutos?" sagte der schwebende Schatten.

"Die drei die Ihr sucht haben gerade meinen Kreis verlassen." sagte Plutos "Seths Geist führt sie, darum finden sie immer den richtigen Weg."

"Sieh an." der Schatten schien belustigt "Ich wusste nicht das Seth sein Selbst aufspalten kann, das können nur wenige Dämonen. Sei's drum, jetzt weiss ich es ja."

"Was werdet Ihr nun tun Herr?" erkundigte sich Plutos.

"Ich werde ihnen die Hölle heiß machen." entgegnete der Schatten und kicherte boshaft. Dann verschwand er.

"Mit seinem Humor war noch nie viel los..." murmelte Plutos bevor er sich nun auch wieder dem Tagesgeschäft widmete.

 

Von Seths Geist geleitet erreichten die Zauberschüler schließlich den Rand eines großen Sumpfes, der sich vor ihnen unter einem schwarzen Himmel erstreckte bis er irgendwann, weit weit vor ihnen, einem breiten Fluss wich.

"Im fünften Kreis, dem Kreis des Zorns, werden die Seelen im großen Fluss Styx gereinigt." sagte Seth, dann sprach er Shuma an der ein paar Schritte voraus gegangen war "Pass auf deine Knöchel auf."

Shuma sah hinunter und machte einen Satz zurück als bleiche Arme aus dem sumpfigen Boden kamen und nach ihm griffen.

"Choleriker versuchen in ihrem Zorn dem Fluss zu entkommen, was ihnen selbstverständlich nicht gelingt. Aber sie können euch durchaus packen und hinunterziehen." erklärte Seth seelenruhig "Auf dem Grund hocken die Phlegmatiker und harren auf Erlösung. Manche bleiben jahrhundertelang dort unten bis sie die Kraft finden sich zu befreien."

"Gibt es ein Boot oder sowas das uns über diesen Sumpf und den Fluss bringt?" fragte Shuma.

"Es ist nicht ganz so komfortabel. Die Asenbrücke führt über den Fluss."

Sie sahen sich um und entdeckten schließlich eine dünne Brücke die über den Sumpf und den Fluss hinüberreichte. Und in just diesem Moment von einer riesigen Gestalt eingeschlagen wurde.

Einen schrecklichen Moment lang dachte Shuma Godzilla persönlich würde dort, bis zur Hüfte im Fluss, die Brücke einreissen, dann erkannte er das es sich um einen großen Mann handelte, der so von Schlamm verschmiert war das man ihn kaum noch erkennen konnte.

"Das... ist jetzt irgendwie ungünstig." kommentierte Seth.

Phylegias, der Wächter des Styx und des stygischen Sumpfes, hatte von Luzifer den Befehl erhalten die Asenbrücke einzureissen und die drei Sterblichen aufzuhalten. Hoch über dem Giganten sahen sie einen Schwarm von Teufeln kreisen, die ausschwärmten und den Sumpf von oben absuchten.

"Also schwimmen ist nicht drin weils da unten von Wüterichen wimmelt. Die Brücke ist zerstört. Aber ich will verdammt sein wenn wir deswegen einfach aufgeben!" entfuhr es Shuma.

"Genau das könnte passieren." warf Seth ein, doch Shuma überhörte ihn.

"Habt ihr Gnome das fliegende Bett dabei? Im Luftkampf gegen diese Teufel da oben stehen unsere Chancen immer noch besser als gegen die Toten im Wasser."

49

„Theoretisch ist es einfach, ihr müsst nur jeder durch das Tor dort treten.“ Das was in Seths Augen glitzerte war garantiert kein Gold, sondern die reinste Schadenfreude, allerdings hatte er vergessen, das selbst merkwürdige Menschenkinder eines gemeinsam hatten: Manche alte Geschichten kannten sie alle, selbst diejenigen die lieber PS3 bespielten oder die welche Gedächtnisschwund hatten.

„Das Tor da?“ fragte Nephele, mit vor Misstrauen triefender Stimme, „Das sieht aus wie ein magisches Tor.“

„Wir sind in der Hölle, da ist mit magischen Toren zu rechnen. Nur die wenigsten Baumärkten liefern hierher,“ erwiderte Seth leichthin. Na schön sie erkannten also magische Tore wenn sie welche sahen, aber: Durch mussten sie doch. Es würde sie ja nicht umbringen – aber diese Schmerzen! Jaaa! Rache!

Wir werden da durch müssen,“ knurrte Nuala, der sich das abwesende Fell trotzdem sträubte. Das ganze stank nahezu nach „Tritt durch und mach die richtig unglücklich“.

Und dann? Wird uns was zermalmen?“

Misstrauisch tippte Nephele gegen den goldenen Torrahmen. Etwas Gold blieb an ihrem Finger haften, bis sie es geistesabwesend an der Hose abwischte. Shuma hatte etwas mehr Probleme er musste regelrecht seine Hände abrubbeln, ehe sie wieder goldfrei waren. Zuerst hatte sie gedacht, es sei eines dieser Gold-Pechtore, wie sie die Holle gerne benutzte, aber von Pech war nirgendwo eine Spur. Nur Gold. Viel Gold. Gold das an dem einem klebte und an dem anderen weniger … eine vage Idee formte sich in ihrem Kopf.

Müssen wir nacheinander durchgehen?“ fragte sie.

Ja.“ bestätigte Seth.

Weit auseinander?“ hakte sie nach und Seth musste einräumen, das sie auch sehr hastig dicht auf dicht durchlaufen könnten, auch wenn es so nicht ganz gedacht war.

Okay.“ Diesmal glitzerte es in Nepheles Augen und es war auch bei ihr kein Gold … sie zog den etwas verblüfften Shuma an sich und küsste ihn lange genug, als das all sein denken sich weit vom Gold abwandte. Dann schubste sie ihn sanft durch das Tor, aus dem ein klebriger Goldregen auf ihn niederging, der jedoch von ihm abtropfte – Gold war grade nicht so fürchterlich verlockend. Und auf gewisse andere Gelüste reagierte das Tor der Habgier nicht.

Denk an Illidan!“ raunte Nephele Nuala zu und sprang dicht hinter ihr mit geschlossenen Augen und Shumas Namen auf den Lippen durch das Tor. Hinter ihr schwebte Seth durch das Gold, was nur so auf ihn niederprasselte und durch seine geisterhafte Erscheinung durch.

Habgier ist nur ein Antrieb,“ grinste ihn Nephele an, die ihren Freunden half das bisschen Klebgold loszuwerden, was an ihnen hängen geblieben war, „Und keiner von wäre hier, wenn unser stärkster Antrieb wirklich die Habgier wäre.“

Du liest doch garantiert in deiner Freizeit Feng Shui Bücher und meditierst, was?“ knurrte Seth säuerlich. Er hätte die Gelegenheit gut gefunden zu sehen, wie die drei voller Klebgold durch die Gegend wankten, was zentnerschwer an ihnen hing. Ausgerechnet mit den Grundlagen der Wollust ausgehebelt zu werden, also das war ärgerlich.

48

Auch hier eilten einige Teufel und Dämonen beschäftigt hin und her. Nuala, die sich wieder in einen Menschen verwandelt hatte, musste sich zusammenreissen um ihnen nicht am Hintern zu riechen. Lange Zeit als Wolf unterwges zu sein hatte eindeutig auch Nachteile.

Um sich von den Höllenmitarbeitern abzulenken starrte Nuala den goldenen Qualm an der aus den Schornsteinen der Fabrik quoll. "Schade, dass es hier so dunkel ist. Ich glaube mit mehr Licht sähe das echt beeindruckend aus." Nuala zog ihren Zauberstab und murmelte leise einen Zauber. Eine kleine Lichtkugel erschien an der Spitze des Zauberstabs und mit einemr schnellen Handbewegung warf Nuala sie in die Luft. Das Ergebnis war kitschig aber nichtsdestotrotz beeindruckend. Das Gold reflektierte das Licht und sorgte dafür, dass alles in einen warmen Schimmer getaucht wurde. Das ganze erinnerte an Honig. Und die Qulamwolken waren kein Qualm sondern Wolken, Wolken aus denen Regen fiel - Goldregen. An sich eine nette Vorstellung, doch Nualas Hormonverseuchtes Teenagergehirn machte den Augenblick zunichte. 

"Warum fällt mir jetzt gerade Golden Shower ein?" fragte sie und verzog angeekelt das Gesicht.

"Woher weist du überhaupt davon?" fragte Nephele zurück.

"Ich bin grade ganz froh das ich es nicht weis. Und noch mehr über die Tatsache das, sollte ich in dieser Hinsicht irgendwelche Erfahrungen gemacht haben, diese auch vergessen habe." Nualas Gesichtsausdruck wechselte zwischen wirklich angeekelt und erleichtert.

Die Lichtkugel sank wieder nach unten und verlosch schließlich. "Bäh!" Nuala versuchte immer noch den Gedanken zu verdrängen. "Seth, wo gehts hier raus?"

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"Na toll. Und jetzt?"

Shuma starrte über die Kante hinaus, hinter der es steil in die Tiefe ging, so tief dass der Boden darunter sich in der Finsternis verlor. Sie hatten Zerberus passiert und waren noch eine lange Strecke durch den schlammigen Boden gewatet, bis sie das Ende des dritten Kreises erreicht hatten. 

"Klettern." entgegnete Seth "Es gibt keinen anderen Weg."

"Du kannst mich mal am Abend besuchen." knurrte Shuma "Mädels, kommt her."

Es gab ein kurzes Durcheinander bis Shuma seinen Begleiterinnen begreiflich machen konnte worauf er hinauswollte. Dann folgte ein längeres Durcheinander bis er Nuala samt Tasche vor sich trug und Nephele sich von hinten an ihn klammerte. Als Shuma überzeugt war das alles in Ordung war hob er ab und seine Magie trug ihn und die anderen langsam durch die Luft, über den Klippenrand und dann in die Tiefe.

Irgendwann glitzerte ihnen der Boden entgegen. Shuma setzte auf und setzte Nuala vor sich ab. Dann ließ er sich wenig elegant auf den Hintern plumpsen und schnappte sichtlich erschöpft nach Luft "Pause!" keuchte er. Fliegen war anstrengend.

Die drei Zauberschüler setzten sich zusammen und machten sich über die von Szrilp bereitgestellte Mahlzeit her. Als sie danach jeder eine Tasse frischen Kaffee tranken sah Shuma sich das erste Mal richtig um. Der Boden war hart und glatt wie Metall, doch man konnte ihn mit dem Fingernagel einritzen. Es war recht dunkel um sie herum, dennoch fiel ihm sofort auf um was es sich dabei handelte. Der Boden bestand aus Gold.

"Im vierten Kreis werden die Seelen von allem Materiellen getrennt." erklärte Seth der neben ihnen erschienen war. "Dies ist der Kreis der Habgier, wo die Seelen von ihren Ansprüchen, ihren Wertvorstellungen, ihren Träumen und Wünschen getrennt werden um davon unbelastet in ihr neues Leben starten zu können."

"Das stell ich mir ja recht schwierig vor." warf Shuma ein und nahm noch einen großen Schluck Kaffee.

"Ist es auch nicht." fuhr Seth fort "Habgier ist ein natürlicher Antrieb des Menschen und tief in den meisten Seelen verwurzelt. Dabei spielt es auch keine Rolle ob jemand aus persönlicher Gier Besitz scheffelt oder ob Eltern alles dafür tun um ihren Kindern möglichst viel zu ermöglichen, alle laufen sie blind dem Reichtum hinterher. Das muss ihnen alles genommen werden bevor sie neu geboren werden, denn ein Milliardär wäre nicht glücklich wenn er in einem Entwicklungsland als Sohn verarmter Eltern wiedergeboren werden würde." der Geist des Dämons sah sich geistesabwesend um "Deprimierend, nicht wahr? Menschen mühen sich ihr Leben lang ab und nach ihrem Tod wird all das einfach ausgelöscht und spielt keine Rolle mehr. Das war einer der Gründe für warum ich mich damals für den Weg entschieden habe den ich nun beschreite."

Seth riss sich zusammen "Seid ihr fertig? Wir sollten weiter."

Sie überquerten eine weite ebene Fläche aus Gold, die von vereinzelten Gräben durchzogen war durch die flüssiges Gold floss.

"Ich krieg hier gleich ne Glitzervergiftung." moserte Shuma, woraufhin die Mädchen und Gnome nur beiläufig mit den Schultern zuckten. Im Glücksbärchieland hatten sie schlimmeres Geglitzer ertragen müssen.

Vor ihnen ragte schließlich etwas auf das wie eine gewaltige Fabrikanlage wirkte. Über lange Fließbänder wurden Seelen ins Innere transportiert, in dem es rumpelte und knirschte, während riesige Schornsteine goldenen Qualm in die Luft pusteten. 

46

„Hrm … ich weiß nicht so recht,“ murmelte Nephele und sah wieder und wieder zu dem gigantischen Wurm hin. „Ich fürchte fast, mit Eis hauen wir ihm empfindlich auf den Magen ...“

„Ach was!“ winkte der Gnom ab, „Soviel können wir nun auch nicht herstellen und außerdem ist unser Eis garantiert frisch, nix mit Samonellen und so.“

„Hätt ich auch nie gewagt zu unterstellen,“ wehrte Nephele ab „Aber … er ist der Verschlinger der Seelen kann das Viech überhaupt grobstoffliches verdauen?“

„Eis ist ja nun eher ziemlich flüssig und geschmeidig, jedenfalls wenn es auftaut! Der muß da nicht drauf rumkauen!“

Ein wenig verdrehte Nephele die Augen, knirschte etwas von „Heu-knirsch-wägel-grumpf-chen“ und rief sich in Erinnerung, das Shuma nun einmal ganz andere Kurse belegt hatte und Nuala sich an das meiste was sie wusste nicht richtig erinnerte. „Feinstoffliche und grobstoffliche Materie,“ erklärte sie, „Der Vielfraß da futtert lauter Seelen, die bestehen aus der feinstofflichen Materie, die von ihm verdaut wird. Nun sieht das Vieh nicht sonderlich schlau auf, aber die rumlaufenden Teufel, die rührt er nichtmal mit der Tentakelspitze an.“

„Na, weil es Teufel sind, die gehören zum Personal?“

Aber Nephele schüttelte den Kopf. Sie hatte von ähnlichen Würmern gelesen, ein beliebtes Thema in der Totenkunde und wirklich scharf waren die nur auf die Seelen wie es schien.

„Aber selbst wenn er nur scharf auf die Seelen ist“ warf Shuma ein, „Was hindert ihn dran den Körper einfach etwas zu zerkauen und dann die Seelen rauszuzuzeln?“

„Ich glaub so einfach ist das nicht mit den Seelen rauszuzuzeln. Die sind ziemlich eng mit unseren Körpern verflochten.“ Im Hintergrund nickte Seth, diese Erfahrung hatte er auch schon machen müssen: Seelen waren ziemlich fest mit ihren Körpern verbunden. Man konnte das eine vom anderen lahmlegen, aber richtig trennen war knifflig.

„Okay, wir können es nur auf eine Weise rausbekommen: Wir probieren es aus!“ Energisch stapfte sie los, noch ehe die anderen sie daran hindern konnten. „Sie ist ja völlig irre!“ keuchte Shuma entsetzt der hin und hergerissen war zwischen Nephele nachzusetzten und dem Wunsch eine halbwegs heile Hose zu behalten denn an der wurde er von Nuala festgehalten.

„Natürlich ift fie völlig irre!“ schnaufte Nuala angestrengt, „Fie ift deine Freundin!“

„Ja – aber SO irre?“ Zweifelnd sah er ihr hinterher. Und wirklich, der Wurm ließ sie völlig links liegen, genau wie die Teufel, welche die Seelen immer wieder zum Wurm trieben und die sich scheinbar angeregt mit ihr unterhielten. Schließlich winkte sie ihnen zu und zögerlich machten sich die anderen auf.

„Der mag uns nicht!“ rief sie ihnen aus einiger Entfernung zu, „Versucht einfach möglichst wenig wie eine Seele auszusehen!“ Doch da war schon ein wütender Aufschrei zu hören, direkt aus einem der Mäuler des Wurms, in dem Seths Geisterbeine zappelten. „Oups ...“ Verlegen (aber beiweiten nicht so verlegen wie angemessen gewesen wäre), „Ich fürchte Geister sind Seelen wohl recht ähnlich ...“

Zu Seths Glück nicht ähnlich genug, denn es gelang ihm sich rauszuwinden, auch wenn er deutlich dearrangiert aussah. „Das Ding hat auf mir rumgekaut!“ blubberte er etwas undeutlich, denn sein Oberkörper musste sich erst wieder richtig zusammenfügen.

„He, DU bist der mit Ortskenntnissen“ erwiderte sie trocken und wandte sich dem weiteren Weg zu.

45

"Wir könnten ihn mit Riesenfruchteis ablenken. Dann bekommt der Arme mal was zu fressen." teilte Szrillp von Nualas Rücken aus mit.

"Riefenfruchteif? Wiefo gerade Riefenfruchteif?" fragte Nuala verwirrt. Ihr Magen knurrte als ob sie seit Ewigkeiten nichts mehr gegessen hatte. Sie hatte kurz ihre magische Abschirmung fallen lassen um die Stimmung von Zerberus zu erspüren und jetzt hatte sie Hunger. Hunger wie ein Wolf, sozusagen. "Bevor du daf mit dem Eif erklärft gib mir bitte irgendwaf zu effen. Ich verhungere gleich."

"Ananas?" Szrillp hielt die Dose hoch die er immer noch in der Hand hielt. "Im Fweifel auch daf." knurrte Nuala synchron mit ihrem Magen. Der Gnom huschte in die Muffin-Back-Tasche und kam mit einem fleischigen Knochen wieder heraus den er Nuala gab. Dann erläuterte er den Plan mit dem Fruchteis.

"In anbetracht von Zerberus Größe brauchen wir natürlich auch eine entsprechend große Futterablenkung. Wenn wir unsere Flammenwerfer etwas umrüsten können wir mit zwei von ihnen aromatisiertes Wasser in die Luft pusten. Mit dem dritten Werfer pusten wir Trockeneis dazwischen. Ein bisschen Gnomenmagie dazu und das Wasser gefriert und wir haben ein Rieseneis."

Fragend sah er zwischen den Jungmagiern und den anderen Gnomen hin und her.

44

Sie starrten hinüber zu der Gestalt, die sich im fernen Nebel abzeichnete und durch den allgegenwärtigen stinkenden Schlamm schob. Shuma hatte den Eindruck das Wesen müsse sehr nah sein, tatsächlich war es sehr weit entfernt. Und doch erkannte man deutlich das es sich um einen Wurm handelte. Seine schiere Größe spielte den Augen einen Streich, da sie sich weigerten einen Wurm in dieser Größe für möglich zu halten, sie behaupteten wenn ein Wurm so erschien musste er nah sein.

Das hintere Ende verschwand im Nebel, doch das vordere Ende war sichtbar. Vorne teilte sich der Wurm in drei Ausläufer, die wiederum in drei großen Mäulern endeten. Die Kreatur schlängelte sich einer Masse von Seelen hinterher, die panisch vor ihr floh. Immer wieder stießen die Köpfe hervor und schnappten blindlings in die Seelenmenge. Tentakel die rings um die Mäuler saßen, schnappten vereinzelte Seelen und stopften sie ebenfalls in die Münder.

"Das ist Zerberus." erklärte Seth "Lasst euch von dem Namen nicht irritieren, es ist nur ein Name. Wie ihr seht ist das kein Höllenhund. Tatsächlich ist er eine Abart der Hydra, gezüchtet für nur einen Zweck: Seelen verdauen. Dieser Kreis dient dazu die Süchtigen zu läutern. Drogensüchtige, Trinker, Raucher, Fresssüchtige, sie alle landen hier. Der eigentliche Kreis liegt in Zerberus' Körper, wo die Seelen in seinen neun Mägen zersetzt werden und so ihre Süchte entfernt werden. Wäre ja auch zu albern eine drogensüchtige Seele in ein Neugeborenes hineinzupflanzen, nicht wahr?"

"Oh mein Gott. Soll das heissen diese... Aberration frisst süchtige Seelen und kackt sie geläutert wieder aus?"

"Passende Umschreibung." schmunzelte Seth "Es scheint euch vielleicht schlimm zu sein, aber die Seelen fühlen keinen Schmerz und keinen Ekel. Wie auch, ihnen fehlen die Drüsen. Sie flüchten aus reiner Angewohnheit vor Zerberus, immerhin ist er schon eine ziemlich abschreckende Gestalt." Seth sah hinüber zu dem großen Wurm "In Wahrheit ist Zerberus der einzige der in diesem Kreis zu leiden hat. Er wurde geschaffen um Seelen zu reinigen, doch Seelen können seinen Hunger nicht stillen. Seit seiner Erschaffung leidet er schrecklichen Hunger, ohne Hoffnung auf Linderung. Und so jagt er sie, seinem Instinkt folgend, obwohl er weiss dass er ewig hungern wird."

Seth seufzte "Das ist auch der Grund warum wir ihm aus dem Weg gehen müssen. Sobald er euch bemerkt wird er euch fressen wollen. Für Seelen sind seine Gedärme heilsam, für euch wären sie vermutlich tötlich."