Letztes Feedback

Meta





 

53

Shuma nahm sich einen Moment Zeit um mit den Augen zu rollen, bevor er sich wieder dem Geschehen widmete. Zwei Gnome hielten mit Flammenwerfern die Teufel auf Abstand während der dritte Gnom mit einem fest in den Bettrahmen montierten Harpunengeschütz den Weg vor ihnen freimachte. Und so sauste das Bett mit kräftigen Flügelschlägen über den dunklen Fluß auf das andere Ufer zu. Unzählige Teufel flogen aus allen Richtungen auf das Gefährt zu, aber die Gnome schienen die Lage unter Kontrolle zu haben.

"Teufel können nicht sterben." rief Shuma "Wenn ihre Körper zerstört werden wachsen sie nach. Also nicht zurückhalten." er sagte es allerdings mehr pro Forma, die erstaunlich angriffslustigen Gnome schienen sich nicht daran zu stören ob das was sie anrichteten nachwuchs oder nicht.

Kurzentschlossen löste Shuma seinen Gurt, hüpfte über den Rand des Bettgestells und ließ sich in die Tiefe fallen. Von einem kleinen Schwarm Teufel verfolgt fiel Shuma auf das dunkle Gewässer zu bis er etwa fünf Meter über der Oberfläche die Magie seines Amulettes weckte und losflog. Immer mehr Teufel wurden auf ihn aufmerksam und hörten auf das Bett zu attackieren um ihn zu verfolgen, doch Shuma war um die Hälfte schneller als alles was hier flog. 

Die Teufel blieben hinter ihm zurück, dafür tauchten andere in seiner Flugbahn vor ihm auf und nahmen ihn mit Feuerbällen unter Beschuss. Der Junge flog immer tiefer und huschte in einem Zickzackkurs zwischen den hohen Wellen des Styx weiter auf den großen Dämonen zu, der KO auf dem Styx dümpelte und auf dem Nephele hockte. Aus den kräuselnden Kronen der Wellen schoben sich zornige Seelen heraus und griffen nach ihm, aber immerhin konnten die Teufel ihn so nicht erreichen, denn auch sie wären durch die im Wasser gefangenen Toten in Gefahr gewesen.

Shuma erreichte Nephele, schnappte sie und den Feenzauberstab und flog sofort weiter, wieder auf das fliegende Bett zu, wo er erschöpft landete. Sie hatten die Reihen der Teufel tatsächlich durchbrochen und hinter sich gelassen.

"Netter Stunt, Topgun." schnaufte Shuma in Nepheles Richtung. "Übrigens teilt man seine Kräfte nicht auf wenn man in Unterzahl ist. Hast du nie Horrorfilme gesehen?"

Shuma hätte gerne noch weiter gemosert, doch unter ihnen geriet plötzlich der Fluß in Aufruhr. Hunderte wütender Seelen brüllten auf als Phylegias sich aus dem Wasser schob und mit einem gewaltigen Arm nach dem Bett schlug. Es wurde getroffen und unkontrolliert fortgeschleudert. Panisch klammerten die Magier und die Gnome sich an den Resten des halb zertrümmerten Gefährtes fest.

"Und, befinden sich für den Fall einer Notwasserung Schwimmwesten unter den Sitzen?" merkte Seth trocken an während er, als Geist vom Trudeln unbeeindruckt, in der Mitte des Bettes stand.

Am Steuer mühte Simwipp sich ab die Reste des Bettes zu einer Notlandung zu bringen. Der Schlag von Phylegias war enorm kräftig gewesen, kein Wunder bei seiner Größe, so dass sie auf das felsige Ufer zuflogen.

Als noch etwa zehn Meter zwischen dem abstürzenden Bett und dem Boden lagen schnallte Shuma sich den Haltegurt wieder an, brüllte "Festhalten!" und sprang hoch. Mit aller Kraft die er noch aufbringen konnte flog er in die entgegengesetzte Richtung und bremste den Sturz so ab. Das Bett schmetterte dennoch laut krachend auf den Boden und schlitterte über den schwarzen Felsboden. Entkräftet landete Shuma neben dem Bett als es schließlich stillstand.

"Au Backe, das Ding hat es hinter sich." meinte er als er die Schäden am Gestell begutachtete. Tatsächlich erinnerte es nun weniger an ein Bett, vielmehr an einen Haufen Sperrmüll.

Hinter ihnen, vom Fluß aus, hörten sie etwas das ein wenig nach Nebelhorn klang. Phylegias wuchtete seine Gestalt auf sie zu, während seine teuflischen Diener wie ein Heuschreckenschwarm auf sie zuflogen.

"Lasst es hier und kommt Sterbliche." sagte Seth während sie vom Bett stiegen. Er schwebte ihnen vorran in einen Tunnel im Felsboden, der nach unten führte und schließlich in ein Labyrinth aus engen Schluchten mündete. "Hier finden sie uns nicht." sagte er dann und schwebte den drei zerschrammten Zauberschülern gemächlich voran die Schluchten entlang. Ab und an huschten weit über ihnen Teufel vorbei, sahen sie am Grund der finsteren Schluchten allerdings nicht.

 

Nach einem langen Marsch verließen sie die Schluchten und standen auf einer kleinen Anhöhe am Rand eines weiten Feldes. Überall auf dem Feld sahen sie flackernde Lichter, die aus dieser Entfernung winzig schienen. Und jenseits des Feldes ragte bedrohlich der dunkle Umriss einer gewaltigen Stadt auf.

Um sich von den Strapazen zu erholen legten sie auf der Anhöhe eine Rast ein und verpflegten sich mit dem was die Gnome ihnen anbieten konnten. Während sie aßen erklärte Seth ihnen wo sie sich befanden.

"Wir sind nun im sechsten Kreis: Ketzerei. Hier schickt Minos die Seelen hin die hart an der Grenze zu echter Bosheit sind: Gehässige, die anderen das Leben schwer machen. Schadenfreudige, die sich am Leid anderer erfreuen. Sadisten, notorische Lügner, selbsternannte Empathen die sich nicht um andere scheren, Hochmütige die sich für besser halten als sie sind..." zählte Seth auf.

Bei "Hochmütige" horchte Shuma auf und tauschte einen stummen Blick mit den zwei Mädchen aus. Sie hatten gewisse Vorstellungen davon wen nach seinem Tod dieser Kreis erwarten würde.

"...Und zu guter Letzt die Gleichgültigen. Leute die wegsehen wenn ein Verbrechen geschieht, nicht aus Angst sondern aus purem Desinteresse und mangelndem Mitleid. Leute die etwas tun könnten, sich aber bewusst dagegen entscheiden. Dieser Kreis ist groß geworden im Lauf der Jahrhunderte." Seth sah die drei an "Wir sollten weiter, der Weg ist noch weit."

Sie packten ihre Sachen zusammen und marschierten dem Geist hinterher über die Ebene. Als sie näher an die Lichter herankamen erkannten sie das es sich dabei um Gräber handelte. Unzählige brennende Gräber standen über die Ebene verteilt und in jedem davon sahen sie eine sich windende Gestalt in den Flammen.

"Die Toten fühlen keinen Schmerz. Ist wohl trotzdem nicht besonders angenehm mitten im Feuer zu hocken." sagte Seth ungerührt.

Sie näherten sich der großen Stadt die vor ihnen lag, der Stadt Dis wie Seth ihnen sagte. Der Stadt der Teufel.

"Dis ist durchaus mit Pandämonium vergleichbar, sieht man davon ab das in Pandämonium Dämonen leben und hier eben Teufel. Erstaunlich zivilisiert, nur eben auf die höllische Art und Weise."

Vom großen Stadttor aus schlängelten sich zwei Gorgonen auf die Gruppe zu, deren Schlangenhaare bedrohlich zischten und die die Menschen gierig anstarrten.

"Ich glaub ich verstehe was du meinst." sagte Shuma "Augen schließen!" sagte er dann zu den Mädchen und den Gnomen und machte auch selbst die Augen zu. Dann trat er den Gorgonen entgegen. "Hallo Mädels." sagte er zu den Frauenoberkörpern die über ihn auf den großen Schlangenleibern ragten.

"Ssssieh unssss an wenn du mit unssss sprichsssst." sagte eine der beiden. "Ihr könnt nicht passssieren." sagte die andere. Dann umschlängelten sie Shuma mit ihren massigen Leibern um etwas mit ihm zu spielen bevor sie ihn töteten. Was ihr Fehler war.

Shuma hatte die Augen fest zugekniffen, denn er wusste was der Blick einer Gorgone mit ihm angestellt hätte. Er hatte aber auf das Geräusch der Schlangenhaare gelauscht und in seinen Händen, die er hinter dem Rücken versteckt hatte, zwei Blitzschläge vorbereitet. Mit je einem Blitz zielte er auf die zischenden Köpfe der Gorgonen. Die Blitze durchschlugen die beiden Köpfe der Gorgonen und die massigen Schlangenleiber zuckten und wanden sich auf der Ebene vor dem Tor von Dis.

Shuma öffnete die Augen wieder "Höllenzivilisation." murmelte er "Ich kann dir den Kopf wegballern, also bin ich im Recht."

"Fast wie zuhause, in der Welt der Menschen, nicht wahr?" fügte Seth süffisant hinzu während er durch das Tor schwebte.

shumagorath am 27.9.10 21:17

Letzte Einträge: 58, 59, 60

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL