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Es war nicht alleine die Liebe, die Nephele daran zweifeln ließ, das Shuma jemals in diesem ekligen Fluß landen würde. Sie hatte seine Gedanken gesehen als er die Arena betreten musste und auch wenn seine Taten reichlich blutgetränkt gewesen waren, seine Gefühle und Gedanken waren es nicht gewesen.

Noch nicht. Eine leise Stimme hauchte tief in ihrem Ohr vor sich hin. War wie lange wird das wohl anhalten? Bei dem Leben was ihr so führt? Und bei der Gesellschaft in der er sich bewegt? Sein bester Freund ist ein Dämon und sein wir mal ganz ganz ehrlich zu uns selbst: Seine Freundin ist auch nicht grade die Mutter aller Mildtätigen.

Als Kind einer Hexengesellschaft erkannte Nephele eine Einflüsterung, wenn sie in ihrem Ohr hockte, aber dummerweise musste sie sich eingestehen, das der Flüsterer im Dunkeln da nicht ganz Unrecht hatte. Natürlich war Illidan ein Dämon, aber irgendwas sagte ihr: Um Illidan ging es hier grad nur am Rande. Ihr wurde der unfreundliche Spiegel vorgehalten und es war zu befürchten, das ihr nicht gefiel was sie sah.

Ganz abgeneigt bist du nicht, das weißt du. Da ist dieser kleine böse Kobold in dir drinn, der immer riesengroß und wild wird, wenn du dich ärgerst. Die Wutbombe mit der denkbar kurzen Zündschnur. Und wenn du einmal gezündet bist, dann gibst du dich nicht wirklich mit einem leisen „Ach wie dumm“ zufrieden, da willst du Blut sehen. Paar Eingeweide dürfen es auch sein, oder? Vorhin, als dir die Munition ausging … das war doch nicht alleine eine praktische Erwägung die Zähne zu benutzen? Es hat etwas in dir zutiefst zufriedengestellt.

Etwas in mir hatte zutiefst den Wunsch zu kotzen wie ein Wolf, widersprach Nephele.

Man braucht schon eine besondere Gesinnung um auf eine solche Idee zu kommen …

Es reicht auch aus von einer Horde wild gewordener Höllenbewohner angegriffen zu werden. Etwas in ihren Ohren lachte leise vor sich hin. Na schön, sei es drum, kicherte es, ist ja nicht so als würde es an Beispielen irgendeinen Mangel geben. Ein freundlicher Mensch bist du ja nun nicht wirklich. Boshaft. Hast etwas für diese ganzen kleine Grausamkeiten über. Hier ein Stich, da ein Seitenhieb, dort eine gezielte Gemeinheit …

Was für den Blutfluß hinter uns wohl nicht ganz reichen dürfte. Die da festsitzen haben schlimmeres getan als gelegentliche sarkastische Bemerkungen und Mercedes an der Unterwäsche aufgehängt.

Ach, alles andere hast du schon verdrängt? Auch deine Zeit als Vampir?

Als allergische Reaktion, verbesserte Nephele süß-säuerlich. Und ich hab mich da keiner besonderer Grausamkeit schuldig gemacht. UND ich hatte KEINEN Spaß dran. Nicht viel. Und nicht mit Absicht.

Oh ich sage ja nicht das du derzeit kichernd mit blutigen Händen durch die Gegend rennst und für Nachschub am Höllenhaupttor sorgst. Moral, Ethik und so, jaja, das kannst du alles. Du glaubst es sogar … meistens jedenfalls. Aber manchmal, wenn du tief in dich reinsiehst, da ist da kein Sonnenscheinland, oder?

Da herrscht aber auch nicht grad Mord und Totschlag!

Dann sag mir doch mal eines, kleine Finsterfee: Was meinst du? Wie lange wirst du es schaffen eine halbwegs verträgliche kleine Mistbiene zu bleiben? Wann bricht deine wahre Natur durch? Wann hinterlässt du die breite Blutspur? Und jetzt erzähl mir nicht das Märchen von „Niemals“, denn ich seh deine Seele und Baby, die ist nicht grade rosig-rot. Ich sag ja gar nichts von reinschwarz, aber eines Tages?

… Es gingen ihr einige Antworten durch den Kopf, doch alle waren fatal nahe dran einen guten Beweis für ihre grundlegende Gewalttätigkeit abzugeben. Dummerweise hätte sie jetzt ganz gerne den Urheber der Stimme zwischen ihren Ohren gerne wenigstens tief in den Hintern getreten – mindestens und das war nicht gut.

Dumme Sache, was? Zu erkennen wohin der Weg geht. Was man ist. Nicht das was man sein wollte. Los, blick ruhig in den Spiegel oder weißt du jetzt schon, was du sehen wirst?

Wütend und trotzig ließ sie ihren Geist in den dunklen Spiegel sehen – sie wusste das sie besser war, als die Stimme sagte. Es gab keinen Höllenkreis der Grummeligen und leicht pessimistischen. Noch gehörte Sarkasmus nicht wirklich zu den Todsünden. Und dennoch, wenn man alles zusammen nahm … das Bild war kein schönes. Es konnte einen wahnsinnig machen, wenn man dem ins Auge blickt, was man versuchte gut und gründlich auf dem tiefsten Grund der Seele zu begraben. Und wenn der Wahnsinn erst einmal da war, dann war die Raserei nicht weit. Nicht die im Geiste, die reale.


Jemand biss Nephele in die Wade und zwar nicht eben sanft. Nicht so stark, das sie um die Wade fürchten musste, abgesehen von einem deutlichen Zahnabdruck war nicht viel zu sehen, aber deutlich genug um mit (zahnigen) Nachdruck auf sich aufmerksam zu machen. Laut fluchend, verblüfft und verwirrt hüpfte sie herum und warf dabei fast Shuma und Nuala mit um, welche sich beeilte ihre Zähne wieder aus Nepheles Wade zu entfernen.

„...?!“ japste Nephele und untersuchte den Biss. „Hasenwilde?!“

„Nein, aber du,“ antwortete Nuala recht gelassen, „Und da gegen Besessenheit Wolfsbisse garantiert wirksam sein sollen hielt ich einen Haps für ganz angebracht.“

„Ich … also ich ...“ Verwirrt sah Nephele sich um, „Ich weiß nicht was eben Realität war. Ich weiß nur das ich eine Stimme in meinem Kopf hatte ...“

„Luzifer, vermutet jedenfalls Seth,“ nickte Nuala, „Er versuchte uns allen einen vom Bösen in uns zu flüstern und bei dir hatte er wohl ein offenes Ohr.“

Blöde Selbstzweifel, grollte Nephele innerlich. Jetzt kam ihr das Bild aus dem dunklen Spiegel mehr als grotesk vor. „Danke dir für den klärenden Biss,“ schnaufte sie, immer noch das Bein reibend. „Aber wie konntest du deinen klaren Kopf behalten, wenn Luzifer doch allen im Kopf rumspukte?“

Wenn Werwölfe grinsen sah das beunruhigend aus. „Einfache Sache,“ hechelte Nuala gut gelaunt, „Klarer Fall von schlimme Fehleinschätzung. Nuala ist denkbar harmlos, da fand er ja kaum einen unfreundlichen Gedanken und der Wolf … was meinst du wie egal so einem Wolf ist was ihm der Teufel ins Ohr flüstert?“

Nephele am 16.10.10 17:08

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