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Als sie die Wüste hinter sich ließen erreichten sie einen Abgrund aus dessen Tiefen unheimliche Laute zu ihnen hallten. Unwillkürlich fröstelten sie als ein kalter Hauch toter Luft sie umwehte. Der Abgrund vor ihnen wurde von mehreren knochenbleichen Brücken überspannt, die sich im Zwiellicht abzeichneten.

"Überquert die Maleborges, Sterbliche." sagte Seth während er schattengleich über die Brücken davonhuschte "Und bleibt nicht stehen."

Eilig folgten die drei dem Geist. Zunächst lagen die Brücken leer und ruhig vor ihnen und auch die Gruben unter ihnen störten sie nicht besonders. Doch nach und nach fiel es ihnen immer schwerer weiter zu gehen.

"Irgendetwas richtet seinen Willen gegen uns." grummelte Shuma und berichtigte sich sofort "Streiche irgendwas, setze Luzifer."

Er stolperte und wäre fast von der Brücke gefallen als plötzlich eine Vision durch seinen Geist zuckte. Nuala in Wolfsgestalt bewahrte ihn davor in die Tiefe zu stürzen indem sie seinen Ärmel mit dem Maul schnappte.

Einen Moment lang hatte Shuma sein Leben gesehen wie es verlaufen wäre wenn er Illidan nicht begegnet wäre. Er hatte sich selbst im Konzern seiner Eltern gesehen, wie er die Karriereleiter langsam hinaufstieg und geduldig abwartete. Um schließlich eines Tages die Firma zu übernehmen. Einige der Dinge die die Vision von Shuma mit einem solchen Unternehmen anfing irritierten den Jungen, doch er konnte nicht leugnen das ihm gefallen hatte was er gesehen hatte.

Nuala schimpfte Shuma kurz sehr undeutlich aus, einerseits weil ihre Wolfsschnauze nicht dazu gemacht war zu sprechen, andererseits weil besagte Schnauze voll Ärmel war. Da traf auch sie eine Vision.

Sie sah ihr Leben ohne Illidan. Sie sah wie sich ihre Werwolfsveranlagung immer mehr durchsetzte, bis sie sich schließlich einem Rudel in der Wildniss anschloss, wie sie es in Transilvanien auch schon fast getan hatte. Sie sah sich selbst, wie sie den Menschen zurückließ, mit ihrem Rudel jagte, spielte und lebte. Sie sah wie das Rudel ihr all die Zuneigung gab die sie von ihren Eltern manchmal vermisst hatte (und wenn sie ehrlich war: auch Illidan tat sich schwer mit diesen Dingen). Empfand der Dämon überhaupt irgendetwas für sie? Wäre sie mit dem Werwolfsmännchen, das sie nun in ihrer Vision sah, nicht glücklicher?

Nephele schüttelte den Kopf als hätte sie Wasser in den Ohren. Ihre Resistenz gegen Visionen war weit besser als die ihrer Begleiter, zumal Luzifer in ihrem Fall auch nicht so recht eine Angriffsfläche fand. Doch sie begriff was in Nuala und Shuma gerade vorging "Das sind nicht wir." sagte sie ruhig.

"Auf keinen Fall!" kläffte Nuala während sie sich auf die Vorzüge der Zivilisation konzentrierte. Fließendes Wasser, dachte sie. Heisses, fließendes Wasser.

"Wir könnten es vielleicht sein." sinnierte Shuma, immer noch erschrocken von dem was seine Vision ihm gezeigt hatte. Manchmal konnte auch Ehrgeiz einen Menschen verderben. Welcher Höllenkreis wohl für so jemanden reserviert war?

"Aber wir sind es nicht!" bekräftigte er dann und verdrängte die Vision seines älteren Selbst das in einem luxoriösen Büro in einem teuren Anzug vor anderen Anzugträgern gestanden und mit kalter Gleichgültigkeit "Dann legt sie halt um." gesagt hatte.

Illidan hatte Shuma einmal erzählt das es unendlich viele Dimensionen gab. Manche unterschieden sich nur durch die Form einer einzelnen Schneeflocke, manche unterschieden sich so sehr das es nichtmal Worte dafür gab. 

In irgendeiner Welt WAR Shuma Illidan nie begegnet. In irgendeiner Welt hatte Shuma nie besondere magische Kräfte entwickelt. Irgendwo hatte es Shuma nie gegeben, weil seine Eltern sich nie getroffen hatten. Und irgendwo hatte Shuma Urorboros übernommen und in eine Verbrecherorganisation verwandelt.

All das geschieht irgendwo und du hast nicht den geringsten Einfluss darauf, hatte Illidan gesagt. Doch das Irgendwo ist fern. Du bist hier!

 

Die drei hasteten weiter durch den aufkommenden kalten Wind der ihnen ins Gesicht wehte. Wieder und wieder flackerten Visionen und Trugbilder auf. 

"Shuuuma..." schnurrte Belle, die sich in einem Bikini auf einem Bett räkelte "Warum hast du es denn so eilig? Warum bleibst du nicht stehen?"

"Brummbärchen." schnurrte genauso die große Gestalt von Maunz, der aus ungeklärten Gründen mehr wie ein Werdackel wirkte während er Nephele zu sich winkte.

"Spielenspielenspielen." hechelte Sven Nuala zu bevor er anfing seinen eigenen Schwanz zu jagen

"Ich sehe, ich seeeehehehe..." Cyara tauchte vor ihnen auf, den glasigen Blick in die Ferne gerichtet "Ihr macht einen Fehler."

"Ihr verstoßt gegen die Vorschriften!" tadelte plötzlich Morgulas, der auf einem Querbalken der Brücke über ihnen saß und die Beine baumeln ließ "Hört sofort auf irgendetwas zu tun!"

"Genau!" bekräftigte Dunkelmond, die neben ihm saß und auf ihrem Sitzkissen herumrutschte, bevor sie anfing gleichermaßen tragisch wie tapfer zu schluchzen.

"Ihr seid doch echt zu doof!" keifte sie Azzura vom Wegrand an, bevor sie sich wieder Erlik widmete, der mit nacktem Oberkörper Taichiübungen praktizierte während er von einem Schwarm von Sukkubi umringt wurde und dabei wie ein Mantra etwas von sich gab das nach "YeahyeahichbinderBesteyeah." klang.

"Klappe! Klappe! KLAPPE!" Shuma verwandelte sich erneut und fegte all die Gestalten mit einem dunklen Gewittersturm von der Brücke. "Da soll einer nicht durchdrehen!"

 

Die Brücke endete vor einem erneuten Abgrund, vor dem Seth sie erwartete. Neben ihm hatte ein bizarres Wesen seinen gewaltigen Schlangenkörper, der versehen war mit Flügeln und Klauen, zusammengerollt. Das Wesen hob den Kopf, der dann hervorzuckte und die drei mit einem freundlichen Menschengesicht ansah.

"Glückwunsch, ihr habt den achten Kreis, Betrug, durchquert, wo die verdorbenen Seelen, die andere oder sich selbst betrogen haben aufbewahrt werden. Nur sehr wenige Seelen finden je einen Weg fort von hier, doch irgendwer scheint zu glauben das selbst die wenigen Seelen die es schaffen sich läutern zu lassen den Aufwand wert sind." begrüßte sie Seth, dann deutete er auf die Kreatur neben sich "Das hier ist Geryon, er wird euch in den letzten Kreis bringen, wo ihr euer Ziel findet."

Einen kurzen Moment zuckte ein Lächeln durch Seths entstelltes Dämonengesicht, ein Lächeln das sie sofort daran erinnerte das er einst ein Mensch gewesen war. "Unsere Wege trennen sich hier. Der neunte Kreis ist der Reich Luzifers, dorthin kann ich euch nicht folgen." kurz sah der Dämon hinunter "Denn in diesem Kreis ist ein Platz für mich reserviert. Geht jetzt."

Und mit diesen Worten löste der Geist von Seth sich einfach auf. Das Monster Geryon schlängelte sich in die Tiefe hinab, während sein Schwanzende immer noch auf der Brücke, direkt vor den dreien lag. So bildete Geryon eine improvisierte Leiter für die Magier, die sich an den Schuppen des Wesens festhielten und an ihm herunterkletterten.

shumagorath am 28.10.10 20:43

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