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Die Kälte nahm ihnen fast den Atem und ließ sie alle tiefer in ihre Jacken verschwinden. Im sonnenlosen Zwielicht lag stumm und starr der letzte Kreis der Hölle und er war aus reinsten, kältesten Eis. In seiner Mitte ragte eine gewaltige Gestalt auf, die böse und starr aus dem Eis zu ihnen herabstarrte, während ihr neuer Führer sich in einen Klotz Eis verwandelte.

„Oh Mist.“ Betroffen sah Shuma ihn an. „Und jetzt?“

„Umkehren macht nicht so richtig Sinn, oder?“ Nuala blickte schulterzuckend zu Luzifer. „Und wir wissen ja, das dieses Portal direkt unter dem großen Typen da hinten liegt und DER ist ja nun wirklich nicht zu verfehlen.“

„Dann lasst uns losgehen.“ Mit einem kleinen Schwung des Zauberstabes versorgte Nephele sie mit Spikes und sie stiefelten über die Ebene aus Eis.


Das Eis war so klar, das es schwarz war und man hindurchblicken konnte. Sie sahen die schmerzhaft verzerrten Gesichter und verdrehten Körper jener Seelen, welche als unheilbar galten. Zu verstümmelt, zu krank, zu wahnsinnig um je wieder geheilt werden zu können verwahrte man sie hier. Begraben im Eis der tiefsten Hölle, gefangen im ewigen Frost. Dieser Ort wäre Seths Schicksal gewesen, jedenfalls hatte er das behauptet. Wenn sich Nephele die Seelen ansah, dann bezweifelte sie es, er krank wie Seth war – dagegen machte er einen fast normalen Eindruck. Die Seelen die unter ihnen lagen besaßen nichts annährend vertraut menschliches mehr, nicht einmal das bisschen welches Seth selbst als Dämon noch besaß.

Der Weg zu Luzifer war lang, anstrengend und trotz der Spikes reichlich rutschig, aber sie kamen voran. Es war nicht zu sagen wie lange sie unterwegs waren, denn an diesen Ort war sogar die Zeit ein wenig festgefrostet, doch zuletzt standen sie vor Luzifer, der gierig und interessiert auf die kleinen Menschen vor sich herabsah.

„Da seid ihr also endlich,“ grunzte er, „Das ihr hier nicht vorbei kommt wisst ihr?“

„Steht noch nicht fest,“ knurrte Shuma und blickte angriffslustig zu Luzifer auf, „Immerhin sind wir bis hier her gekommen!“

„Seid ihr.“ Fletschend entblößte Luzifer seine Reizzähne. „Weil ich es zuließ. Glaubt ihr wirklich ihr könnt in mein Reich spazieren und ich hätte nicht die Mittel und Wege es zu verhindern?“

„Also willst du etwas von uns,“ schlußfolgerte Nephele – sie hatte sich etwas in der Art beinah gedacht. Bei allen Strapazen, es war ein wenig zu einfach gewesen die Hölle zu durchqueren. „Etwas von der Sorte, das freiwillig gegeben werden muss? Etwas das man nicht rauben, erpressen und erschwindeln kann.“

„Oder ich war einfach neugierig. Sooft kommt es nicht vor das ein paar sterbliche Irre meine Hölle lebend besuchen wollen.“

„Irgendwie glaub ich dir nicht ...“

Luzifer grinste breit. Sein altes Problem, man glaubte ihm einfach nicht wenn er unverkleidet auftrat. „Nun gut, Neugierde ist nur ein Aspekt,“ räumte er ein, „Was seid ihr bereit für den Durchgang zum Portal zu zahlen?“

Noch bevor die anderen etwas sagen konnten trat Nephele einen Schritt vor und sagte: „Mich. Dafür gehen die anderen beiden ohne jede Bedingung durch das Portal und ich werde es ihnen öffnen können.“


Dieses Angebot kam ein klein wenig unerwartet … vorsichtig gesagt.


„Das kannst du nicht machen!“ protestierte Shuma, aber Nephele blieb bei ihrer Meinung. „Doch, kann ich,“ beharrte sie, „Wenn das Portal offen ist, dann braucht ihr mich eh nicht mehr. Wo immer Illidan auch steckt, ihr werdet von da aus einen Weg finden müssen.“

„Aber du kannst doch nicht in der Hölle bleiben!“ protestierte Shuma und Nephele schüttelte den Kopf.

„Shuma, Luzifer verlangt einen Preis um zum Portal zu gelangen und weniger als einen von uns wird er nicht akzeptieren. Und es gibt gute Gründe weshalb ich bleibe. Ich bin die einzige, die nicht unbedingt zu Illidan will. Es ist ja nicht so, das ich ihn nicht mag, aber … Nuala muß ihn finden, denn sie muß sich entscheiden können. In Transylvanien wurde er ihr einfach weggenommen und das war schlecht für sie. Und du ...“ Traurig sah sie ihren Freund an und legte ihre Hand auf seine Wange. „Sein wir ehrlich, für mich wärst du nie durch die ganze Hölle gelaufen, aber für Illidan bist du es. Du wirst mich vermutlich nie so lieben wie du diesen Dämonen liebst und ich werde immer nur hinter euch beiden herstolpern und immer mehr zu einem dieser traurigen Gestrüppe werden, die wir im Wald gesehen haben. Kein schöner Gedanke.“

„Du bist meine Freundin!“

„Du liebst mich nicht so wie ich dich liebe,“ beharrte Nephele, „Du würdest für mich niemals durch die Hölle gehen. Ich bin es für dich, aber ich will nicht so enden wie Dunkelmond und wegen dir mich selbst verlieren.“

Luzifers gewaltige Pranke ergriff sie alle drei und setzte sie schwungvoll vor dem Portal ab, eine einfach Tür aus Stein, mitten im ewigen Eis. Von hier aus war es einfach befand Nephele und mit einem mehr als windschiefen Lächeln flüsterte sie „Illidan!“ und drückte gegen den Stein, der zur Seite glitt.

„Dahinter ist es ja nur schwarz!“ protestierte Shuma.

„Verglichen mit dem was hinter uns liegt ein vergleichsweise kleines Risiko.“ Zärtlich zog Nephele ihren Freund zu sich und küsste ihn – ehe sie ihn durch das Tor schubste. „Jungs brauchen manchmal einen kleinen Anstoß,“ murmelte sie zu Nuala, die sie fragend ansah.

„Wirst du wirklich nicht mitkommen?“

Sie schüttelte den Kopf. „Diesmal nicht.“

„Und … wenn er es sich anders überlegt?“

Alles in Nepheles Gesicht sagte „Unwahrscheinlich, auch wenn es schön wäre.“ Schließlich antwortete sie: „Wenn er es sich anders überlegt, dann kann er mich suchen kommen. Ich werd warten, na ja – eine Weile jedenfalls.“ Und dann schon sie Nuala durch das Portal.


„Sie sind weg.“ Luzifer sah sie an. „Und du bist in meiner Hölle.“

„Ach Dämonen und Teufel ...“ Ein kleines Gerät blitze in ihrer Hand auf. „Ihr seid genauso schrecklich leichtgläubig wie wir Sterblichen. Immerhin, eine Gemeinsamkeit, nicht wahr?“ Und dann drückte sie den Rückholzauber, den ihr vor einer kleinen Ewigkeit Norelie gab und alles was Luzifer blieb war ein dummer Gesichtsausdruck.


Den immerhin niemand sah, was aber auch nur ein eher schwacher Trost war.


Nephele fühlte wie sie sich zusammenzog und ihr jemand einen Stuhl unter den Hinter stellte.

„Zurück aus der Hölle Fräulein Brockenfels?“ fragte die vertraute Stimme des Schulleiters. „Die Schule lässt einen nicht los, ist es nicht so?“

Sie holte sehr tief Luft und war froh das sie weder kalt, noch schweflig war. „Sieht so aus, als wäre ich wieder da.“ In ihrer Brust tat es weh, aber sie war sie fast ganz sicher: Eines Tages würde es vielleicht vergehen.

Hoffentlich.

Nephele am 30.10.10 00:59

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